Philips hat ein System entwickelt, mit dessen Hilfe Blutvergiftung (Sepsis) in einem sehr frühen Stadium erkannt und auf dem Patientenmonitor am Krankenbett angezeigt wird. Laut einer Studie der ‚Surviving Sepsis Campaign', ein Zusammenschluss medizinischer Organisationen zur Bekämpfung von Sepsis, reduziert sich die Sterblichkeit um 34 Prozent, wenn Sepsis früh erkannt und behandelt wird. Das Philips System ‚Protocol Watch' basiert auf einer Software, die Vitalparameter wie Blutdruck und Herzfrequenz, die in der Notfallmedizin schon jetzt kontinuierlich ermittelt werden, zusätzlich auf Anzeichen einer Sepsis überprüft. Die Software sowie die zugehörigen Monitoring-Systeme werden von Philips im schwäbischen Böblingen entwickelt und hergestellt. Das System wird in Österreich anlässlich des Europäischen Radiologenkongress in Wien (9.-13. März) vorgestellt.
Sepsis - eine lokale Infektion, die sich im ganzen Körper ausbreitet - ist eine der häufigsten Todesarten, in Deutschland die dritthäufigste nach Herzkreislauf-Erkrankungen und Krebs. Die von den Entzündungsbakterien abgegebenen Giftstoffe bringen den Flüssigkeitshaushalt des Körpers durcheinander, schädigen die Gerinnungskontrolle und bringen die Funktion der Organe zum Erliegen. Rund 160 Patienten sterben in Deutschland täglich an Sepsis oder einem septischen Schock mit mehrfachem Organversagen.
„Das Philips System ‚Protocol Watch' basiert auf den Empfehlungen der ‚Surviving Sepsis Campaign' zur Erkennung und Behandlung der Krankheit", sagt Werner Haas, Geschäftsführer bei Philips Medizin Systeme in Böblingen. Diese Informationen werden bei der ersten Anwendung auf den Philips Patientenmonitor übertragen. ‚Protocol Watch' ist dann in der Lage, anhand bestimmter Parameter erste Anzeichen einer Sepsis zu erkennen - etwa bei Fieber kombiniert mit Veränderungen in Herzfrequenz und Blutdruck oder in einem späteren Stadium anhand bestimmter Veränderungen in der Blutzusammensetzung.
Überschreitet eines der Parameter einen Grenzwert, erscheint ein Fenster auf dem Bildschirm des Philips Patientenmonitors. Die Ärzte können dann den Patienten genauer untersuchen. Besteht auf Grund der Werte bereits der Verdacht auf eine schwere Sepsis, startet Protocol Watch automatisch eine auf den Empfehlungen der ‚Surviving Sepsis Campaign" basierende Checkliste zur Behandlung - etwa Zielwerte für den mittleren arteriellen Druck und die venöse Sauerstoffsättigung.
„Grund für die Entwicklung von ‚Protocol Watch' war die Erkenntnis, dass Ärzte heutzutage mit einer überwältigenden Menge an Patientendaten konfrontiert werden", sagt Robert Körbler, Geschäftsführer von Philips Medizinsysteme Österreich. Philips wolle über die reine Datenermittlung hinaus klinische Entscheidungsfindungssysteme schaffen, die den Ärzten ein transparenteres Bild von dem zeigen, was mit ihren Patienten passiert. ‚Protocol Watch' ist die erste Anwendung, die Behandlungsrichtlinien für Patienten direkt auf den Bildschirm des Patientenmonitors am Krankenbett überträgt und diese mit den physiologischen Messwerten des Patienten abgleicht, um Empfehlungen zu entwickeln. Bei einer Blutvergiftung ist dies besonders relevant, weil ihre Symptome leicht mit anderen Krankheitsbildern zu verwechseln sind. Vor allem deshalb kommt Hilfe oft zu spät.
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